Responsive Joomla Templates by BlueHost Coupon

Kirchen - Arzberg - Maria Immaculata

Pfarrkirche Unsere Liebe Frau in Arzberg

                                                         (Auszug aus der "Chronik der Kath. Pfarrei Arzberg" vom Jahr 2000)

 


Fotos: Mediendesign & Medientechnik, Michael Rückl, Arzberg

Wie es zum Bau der Votivkirche kam.

Josef Heigl, Kooperator in Arzberg, schreibt in seiner "Chronik der kath. Stadtpfarrei Arzberg" von 1914: "In zwischen war die Seelenzahl der Expositur ständig gewachsen, der Kirchenbesuch immer eifriger geworden. Einen bedeutenden Zuzug von Katholiken musste der Bahnbau bringen. so wurde der Betsaal allmählich zu klein und es machte ich das Bedürfnis  nach einem geräumigen Gotteshaus immer dringender geltend."

In der Reihe von Briefen an seine Priester (ab 1864) schrieb Bischof Ignatius von Senestrey (1858-1906 Bischof von Regensburg) in bewegten Worten die Not der Diaspora-Katholiken im Gebiet des jetztigen Dekanats Wunsiedel. Er wies auf die Notwendigkeit des Aufbaus einer geordneten Seelsorge in diesem Raum hin und rief zur Unterstützung seiner Bemühungen auf. Er schilderte seine Anstrenungen, die im Dekanat Wunsiedel verstreut lebenden Katholiken der nächstgelegenen Pfarrei Redwitz anzugliedern. In diesem Zusammenhang kam er auch auf Arzberg zu sprechen: "Wir haben deshalb einen neuen Versuch und Anfang in Arzberg gemacht. Dieser große Marktflecken bildet den Mittelpunkt für mehrere in beträchtlichem  Umkreis liegenden Orte,  in welchem eine erhebliche Anzahl von Katholiken theils ansäßig, theils wohnhaft ist, und wird die katholische Gemeinde, welche in und um Arzberg sich zusammenschließt, sich gegewärtig auf nahezu 300 Seelen belaufen, die unlängst auch in die katholische Pfarrei Redwitz eingepfarrt worden sind. Soll aber diesen Katholiken seelsorglich geholfen werden, so ist es unbedingt nothwendig, daß ein Priester in Arzberg wohne, daß dort eine katholische Kirche und Schule bestehe. Wir haben deshalb bereits im vorigen Sommer selbst an Ort und Stelle Einsicht genommen und später ein anwesen erworben, das auf einem Hügel schön gelgen Uns als der geeignetste Platz für eine katholische Seelsorge-Station erschien. Aber woher die Mittel nehmen zum Unterhalt eines Priesters, zum Baue eines Kirchleins, da im Hause selbst kaum Platz für eine kleine Kapelle sich findet, zu Erhaltung der Kirche, des Meßners, der Schule?"

Woher die Mittel nehmen?

diese Sorge des bischofs in seinem Brief an die Priester seiner Diözese von Pfingsten 1864 lässt uns fragen: War denn die große Diözese Regensburg damals so arm, dass sie nicht in der Lage war, einige neue Pfarreinen in der Diaspora auszustatten? Dazu müssen wir uns ein Bild von Lage der Kirche in 19. Jahrhundert machen. Durch die Auswirkungen der Französischen Revolution und der Säkulation gingen der Kirche beträchtliche Einnahmen verloren. auch der Staat erfüllte seine Dotationspflichten nur unzureichend. Dies und das Anwachsen der Bevölkerung und ihre Zusammenballung in den Industriezentren machten es der Kirche in jener Zeit unmöglich, neue Pfarreien zu gründen, neue Gotteshäuser zu bauen und deren Seelsorge zu besolden. eine Kirchensteuer, die heute die finanzielle Grundlage der Kirche bildet, gab es damals noch nicht. Sie wurde erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts von den Ländern in Anlehnung an die staatlichen Steuern eingeführt.

"Woher die Mittel nehmen?" war also die ständige Frage des Bischofs, wenn er an den Ausbau der oberfränkischen  Diaspora dachte. Seinen Priestern gab er die anregung, einzelne fromme Wohltäter auf die Not der Diaspora aufmerksam zum machen und zu Spenden  und Gaben zu ermuntern. Dabei führte er ein besonderes Motiv ins Feld: " Lasset Uns insbesonders etwas von der in Arzberg zu erbauernden kleinen Kirche sagen, weil diese gerade gegenwärtig eines der allernächsten und größten Bedürfnisse ist. Aus mehreren Gründen möchten Wir sie  zu Ehren der himmlischen Schutzfrau Bayerns, der seligsten Jungfrau Maria erbaut sehen. Es werden nun gerade 10 Jahre, seit Papst Pius IX. die kirchliche Lehre von der unbefleckten Empfängni? der hochgebenedeiten Gottesmutter als Dogma als katholischen Glaubenssatz verkündet hat."

Ein Denkmal des Glaubens an die Unbefleckte Empfängnis

"Aus Freude über dswes neue Verherrlichung der reinsten Gottesgebärerin haben die Katholiken anderswo Kirchen zu Ehren dieses Geheimnisses erbaut, Säulen mit dem Standbild der unbefleckten Gottesbraut errichtet, Spitäler und andere Anstalten der christlichen Liebe gegründet. In unserem Bisthume ist nichts der Art geschehen, weil keine genügende äußere Anregung dazu gegeben, kein bestimmter Zweck für ein solches Denkmal gläubiger Liebe vorgesetzt war. Diesen nun möchten  Wir euch und durch euch auch frommen und tateifrigen Gläubigen vorstetzen, indem als Denkmal unseres Glaubens an das Geheimnis der unbefleckten Empfängniß und , unserer innigen Liebe zur Gottesmutter eine katholische Kirche zu Arzberg zu trost und Hilfe der dortigen verlassenen Katholiken erstehen soll." Der Bischof versicherte, das alle Beiträge und Stifungen dem Willen der GEber entsprechend verwendet werden. Schließlich drückte er am Ende seines langen Briefes noch eine andere Sorge aus: " Wir richten dieses Schreiben in vertraulicher Weise an euch, weil Wir Grund haben, nicht zu wollen, dass es jetzt schon in die weitere Öffentlichkeit gelange. Was wir beabsichtigen und es wir erstreben müssen, haben wir klar und unzweideutig ausgesprochen: die Herstellung einer ausreichenden und gesicherten ordentlichen Seelsorge für die im ehemaligen Dekanat Wunsiedel unter den Protestanten zerstreut wohnenden Katholiken." Der Bischof befürchtete Vorurteile und Misstrauen hinsichtlich seines Vorhabens seitens der Protestanten. Diese Ssorge war in Arzberg unbegründet, im Gegensatz zu Wunsiedel, wo sich unter dem Einfluss von Bezirksamtmann Kellein größerer Widerstand zeigte. die Katholische Pfarrgemeinde Wunsiedel bekam ihr Gotteshaus dadurch erst im Jahre 1884.

Die Befürchtung und die kluge vorsicht des bischofs werfen ein Licht auf das damals gespannte Verhältnis zwischen den beiden christlichen Konfessionen, das durchd das I. Vatikanische Konzil von 1869/70 wie auch durch den sich anbahnenden Kulturkampf bestimmt war. Trotz allem konnte er in seinem Brief abschließend sagen: "Bis jetzt haben, Gott sei Dank, die protestantischen Christen in jener Gegend sich dem Trachten der dortigen Katholiken nach einer geordneten Seelsorge im Ganzen freundlich, wohlgesinnt, ja zuvorkommend gezeigt."

"Ein Werk des St. Bonifacius-Verein in unserem Bisthum"

Bereits am 07.April 1865 konnte Bischof Ignatius in einem weiteren Brief an seine Priester schreiben: "Mit innigsten Dank sagen Wir, dass unsere Bitte keine  vergebliche war, und dass namentlich Arzberg und das dort zu erbauenden Kirchlein zu Ehren der unbefleckten Empfängniß der seligsten Jungfrau bereits reichlich bedacht worden ist ..., dass schon über 12 000 fl. diesem frommen Werke gewidmet worden sind. " Er bat dann wor allem um Spenden für Selb und schrieb in diesem Zusammenhang: "Wir lesen, dass in mehreren deutschen Bisthümern, auch in unserer Nachbarschaft, Priester in entsprechender Anzahl zu dem Zweck sich im St. Bonifacius-Verein verbinden, um durch ihre auf eine Reihe von Jahren gezeichneten Beiträge den Unterhalt für einen Geistlichen auf einer bestimmten Missionsstation in der Diaspora zu beschaffen. Ein sehr edles und wahrhaft priesterliches Werk. Aber, Geliebteste, wir haben ja die nämlichen Zustände und Bedürfnisse in unserer eigenen Diözese, im damaligen Dekanat Wunsiedel:  hier ist unsere Diaspora. sollten demnach nicht auch auf Unsere Anregung und bitten die Preister Unseres Bisthums sich im glorreichen Namen des heiligen Bonifacius zu dem Zweck verbinden ...?"

Pfingsten 1865 erschien dann der versprochene erste Rechenschaftsbericht über alle Spendeneingänge und ein weiterer Brief an die Priester, in dem er den Druck eines eigenen 200 Seiten starken Jubiläumsbüchleins angekündigte, dessen Reinertrag "Wir zum Bau des Kirchleins zu Ehren der unbefleckten Empfängniß Mariä zu Arzberg bestimmen ... wo dieses Gotteshaus die größte Notwendigkeit für die arme Gemeinde ist und wo zugleich die Gnaden-Mutter von Alters her viel verehrt war. Ihr Standbild wurde sogar von den Protestanten seither im Rathause aufbewahr und nun der katholsichen Gemeinde übergeben. Wir haben es wieder schon herstellen lassen und von eurerer und der Gläubigen  Mitwirkung wird es abhängen, wie bald es das neue Kirchlein schmücken soll, das Wir als einen Votivbau unseres Bisthums zum Dank für die Dogmatisierungs der unbefleckten Empfängniß der Gottesgebärerin und unserer himmlischen Mutter betrachten möchten."

Die jährlichen Rechenschaftsberichte über die eingegangenen Spenden, die als Beilage zum "Oberhirtlichen Verordnungsblatt für das Bisthum Regensburg" erschienen, zeigten, dass die Gelder für Arzberg nicht ausschließlich zum Bau einer "Votivkapelle in Arzberg" gespart wurden, sonder auch für den laufenden Bedarf der Expositur und vor allem für die Einrichtung einer katholischen Schule verwendet wurden, was natürlich den Bau der Kirche verzögerte. So schrieb der Bischof zur Rechtfertigung dieser Verwendung in einem Brief vom 12. April 1867: "In Arzberg wurde eine katholische Schule eröffnet, und damit dies geschehen konnte, wurde ien kleines Nebengebäude des Expositur-Anwesens für diesselbe  hergestellt. Dies, geliebteste Mitbrüder, ist eine unserem heiligen Zwecke ganz entsprechende Ausgabe. Denn die Seelsorge in solch neuen Gemeinden ist auf das Empfindlichste gehemmt, wenn es dem Preister nicht ermöglicht wird, durch eine im katholsichen Geist geleitete Schule und durch die damit verbundene Erziehung der Kinder im katholischen Leben, entschieden und nachhaltig auf die heranwachsende Generation zu wirken."

Grundsteinlegung und Kirchenbau im Jahre 1874

Da - wie bereits erwähnt - die Spenden für dne Kirchenbau in Arzberg immer wieder für andere notwendige Maßnahmen verwendet wurden, ging es mit dem Baufonds nicht recht voran. Trotzdem wollte Bischof Ignatius nicht mehr länger warten und gab am 27. Februar 1874 den Auftrag zum Brechen der Steine für das Fundament der Kirche. Am 14. Juli kam die ministerielle Genehmigung der Baupläne, ausgearbeitet, von domvikar Georg Dengler, Regensburg. Der Bischöf drängte zur Eile, nam den Bauplatz in Augenschein und veranlasste den sofortigen Beginn. Die Ausführung hatte Baumeister Franz Xaver Kiener aus Nabburg im Akkord übernommen. Bereits am 25. August konnte die feierliche Grundsteinlegung stattfinden.

Wie bedeutend das Ereignis für die Region war, unterstreichen die Anwesenheit der Gläubigen aus nah und fern. Bürgermeister und Magister von arzberg, die Teilnahme von 30 Priestern und das Mitfeiern eines Teils der "Regensburger Domcapelle", heute "Domspatzen" genannt. Der Bischof segnete die künftige Hochaltarstelle und den würfelförmigen Grundstein. Dieser enthält in einem Glaszylinder die Urkunde in lateinischer Sprache. Hier die deutsche Übersetzung:

Im Namen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit

im Jahre 1874 nach Christi Geburt,

dem zwanzigsten Jahr nach Definierung des Dogmas von der unbefleckten

Empfängnis der seligsten Jungfrau Maria,

dem dreizehnten Jahr nach Wiederherstellung einer geordneten, durch drei

Jahrhunderte unterbrochenen Seelsorge im Dekanat Wunsiedel,

im 29. Jahr der Regierung des Papstes Pius IX.

und im 11. Regierungsjahr Ludwigs II., König von Bayern,

am 25. August, dem Fest des hl. Ludwig, Königs und Bekenner,

legt Ignatius, Bischof von Regensburg im 17. Jahr seines Amtes,

unter zahlreicher Beteiligung von Klerus und Volk deisen Stein,

geweiht nach heiligem Brauch, als Grund- und Eckstein einer zu Ehren der

unbefleckten Empfängnis der seligen Jungfrau Maria zu erbauenden Kirche,

wobei Bischof, Klerus und Volk die Mittel aufbringen.

Gott gewähre eine glückliche Vollendung!

Die selige Jungfrau Maria möge dem Werk gnädigen Beistand leisten.

Beigelegt wurden noch ein "Agnus Dei" ('Gotteslob), eine Münze von Pius IX., eine von ihm geweihte Medaille Unseren Lieben Frau, eine Medaille des seligen Albertus Magnus sowie ältere und neuere bayrischen Münzen.

Es folgten je drei Hammerschläge durch Bischof, Priester, Mitglieder der Magistrats und Baumeister. Während des Gesanges der Allerheiligen-Litanei wurden die Fundamente gesegnet, der Grundstein eingesnkt und sofort übermauert. Bischof Ignatius hielt eine begeisternde Ansprache, die mit einem Weihegebet an Maria anschloss. Dann zelebrierte er eine Pontifikalmesse mit feierlichem Te Deum. Ein drei Seiten langer Bericht über diese Grundsteinlegung im Amtsblatt der Diözese  und ein Hirtenwort zum Beginn des Advents mit einem kräftigen Aufruf zu Spenden "zum Ausbau der Votivkirche unseres Bisthums" scheinen bewirkt zu haben, dass aus der ganzen Diözese noch viel reichlichere Gaben als in den Vorjahren eingingen. Eine "Übersicht über die Rechnungen des Kirchenbaus in Arzberg pro 1874" weist 14 537 Gulden an Sammelgeldern aus.

Kirchenbau 1874/75 und Kirchenkonsekration

Im Oktober stand der Bau unter Dach. Die übergroße Eile, mit der man zu Werke ging, erwies sich als nachteilig. Bald auftretende Schäden erforderten bereits 1880 bedeutende Reperaturen und die Erneuerung der gesamten Bedachung.

Fast alle vorhandenen Mittel - 17 350 fl. - waren im Jahr 1874 verbaut. "Wenigstens ein gleicher Betrag ist erforderlich bis die Kirche im inneren Ausbau vollendet, und mit jener Einrichtung und jenem Schmuck versehen ist, der dieses Gotteshaus würdig ist", heißt es in der genannten Übersicht von 1874. Es ist nun rührend zu lesen, wie man allenthalben versuchte, die restlichen Mittel aufzutreiben. so wird berichtet, dass Kooperrator Schaumberger von Wiesau 77 fl. übergab als Erlös aus dem Verkauf von 136 Photographien der Kirche in Arzberg. Im Pfarrarchiv befindet sich ein Gebetbuch "Ave Maria" aus dem Jahre 1875, herausgegeben von einem Pfarrer Füßl aus dem Kloster Niederviehbach. Auf der Titelseite steht die Notiz: "Der Erlös ist für die votivkirche zu Ehren der unbefleckten Empfängnis Mariä in Arzberg bestimmt." Es bestätigt sich die Übersicht von 1874: "Darunter nicht bloß ansehnliche Spenden von einzelnen mit irdischen Gütern mehr gesegnete Geistlichen und Laien aller Theile der Diözese, sondern auch Gaben von Personen in ganz bescheidenen Verhältnissen." So kam im Jahre 1875 noch einmal die ansehnliche Summe von 13 018 fl. an " milden Gaben zum Kirchenbau" zusammen.  Trotzdem schließt die Jahresbilanz 1875 mit einem Passivrest von 8000 Gulden und weiteren unbezahlten Rechnungen.

Die angespannte finanzelle Situation ließ zunächst die Einrichtung der Seitenschiffe und den Ausbau des Turms nicht zu. Beides erfolgte dann 1880.

Zwei Tage vor der Kirchenkosekration, am 20. September 1875, weihte Bischof Ignatius in Waldsassen drei neue für Arzberg bestimmte Glocken. die erste trug die Inschrift: "Im Jahre 1875, dem 30. Pontifikatsjahr Papst Pius IX., ließ mich bischof Ignatius von Regensburg unter Mithilfe von Klerus und Volk für diese Kirche zu Ehren des hl. Ignatius gießen." Die zweite: "Nach Wiederaufnahme der Verehrung der allerseligsten jungfrau Maria in Arzberg singe ich voller jubel das Lob meiner Patronin."  Die dritte: "Durch mein Rufen sammelt der hl. Wolfgang seine Schafe aus der Zerstreuung." Die vierte, dem hl. Josef geweihte Glocke hatte schon früher eine Frau Eckstein aus der Pfarrei Konnersreuth gestiftet.

Die Kirchenkonsekration selbst am 22. September, dem Fest des hl. Emmeram, des zweiten Diözesanpatrons, gestaltete sich zu einem großenartigen Fest. Siebzig Kleriker und Priester nahmen an der feier teil. vom Betsaal aus zog man in feierlicher Prozession hinauf zur Kirche. Den Gesang besorgte auch diesmal wieder die "Regensburger Domcapelle".